Zu Hauptinhalt springen

Ladeinfrastruktur

Voll geladen in die Zukunft – Wege zur Stärkung der Elektromobilität

Jedes Jahr wächst der Anteil an Elektroautos. Doch im internationalen Vergleich steht Deutschland mit 3,3 Prozent noch immer hinten an. Ein Grund laut Branchenvertreter ist: die mangelnde Ladeinfrastruktur. Daher fördert das Bundesministerium für Verkehr (BMV) innovative Lösungen, um den Ausbau von Ladepunkten in Deutschland zu beschleunigen.

iStock / Marcus Lindstrom

iStock / Marcus Lindstrom

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 545.145 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. 2019 waren es gerade einmal 63.281 E-Autos. Die Zahlen zeigen: E-Autos werden auch hierzulande beliebter. Im internationalen hinkt Deutschland mit 3,3 Prozent jedoch noch immer hinterher. Als Grund nennen Branchenvertreter die mangelnde Ladeinfrastruktur. Daher fördert das Bundesministerium für Verkehr (BMV) innovative Lösungen, um den Ausbau von Ladepunkten zu beschleunigen.

Über die Hälfte aller E-Autos in Deutschland verteilt sich auf nur drei Bundesländer: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Gründe hierfür sind verschieden. Als in den 2010er Jahren die Elektromobilität an Bedeutung gewann, mangelte es auf dem Markt zunächst an erschwinglichen Fahrzeugen. Auch andere Aspekte – etwa die limitierte Reichweite von E-Autos – dämpfte in der ersten Phase zunächst die Nachfrage. Mittlerweile ist die Antriebstechnologie von E-Autos deutlich ausgereifter und auch die Batterien haben heute eine weitaus höhere Kapazität. Was Kunden jedoch nach wie vor vom Kauf eines rein elektrischen Fahrzeugs abhält ist die aktuelle Ladeinfrastruktur.

Auch wenn die Bundesnetzagentur derzeit rund 150.000 Normalladepunkte und 50.000 Schnellladepunkte verzeichnet und Deutschland damit die Vorgaben in der europäischen Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe 2023/1804 (AFIR) um etwa 200 Prozent übertrifft, gibt es große regionale Unterschiede: Während Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern bei der Dichte an Ladepunkten ganz weit vorne liegen, zeigen sich in Norddeutschland nach wie vor große Lücken. Vor allem in ländlichen Regionen finden sich oft deutlich weniger Ladepunkte als in Städten; dies gilt auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Heißt: Mehr Menschen teilen sich eine Ladesäule und müssen dafür meist auch größere Distanzen zurücklegen. Das macht E-Autos in diesen Regionen unattraktiv. 

Ein wichtiger Hebel zur Stärkung der Elektromobilität ist somit der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Der „Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 der Bundesregierung“, der im November 2025 veröffentlicht wurde, soll die Rahmenbedingungen für den Ausbau verbessern. Das Bundesministerium für Verkehr geht noch einen Schritt weiter: Die Initiative „Deutschlandnetz“ des BMV hat sich auf die Fahnen geschrieben, die weißen Flecken der Ladeinfrastruktur zu füllen. Erfolge der Initiative: Jede Woche eröffnen neue Schnellladestandorte in ganz Deutschland und alle laden mit 100 Prozent erneuerbarem Strom

Abbildung_daten.plus_Ladeinfrastruktur-April-2026.jpg

Bundesnetzagentur.de / Ladeinfrastruktur in Zahlen (Stand: 1. Januar 2026); eigene Darstellung

Wichtige Treiber für den Ausbau der Ladeinfrastruktur bleiben die Kommunen. Allerdings können Kommunen die zum Teil sehr komplexen Anforderungen der Ladeinfrastruktur an die Verkehrsplanung häufig nicht erfüllen. Daher fördert das BMV im Rahmen seiner Innovationsinitiative „mFUND“ Forschungsprojekte, die solche Planungsprozesse mit neuartigen Lösungen unterstützen. 
Bedarfsgerechte Planung durch Citizen Science.

So nimmt zum Beispiel das mFUND-Projekt „STRALI“ – bestehend aus Wissenschaftlern und Entwicklern der Universität Duisburg-Essen, Schotte Automotive GmbH & Co. KG und IT-Objects GmbH – die Verbrauchenden in den Fokus: Mithilfe einer interaktiven Web-Anwendung erprobt das Projektteam in der Stadt Essen, wie sich die künftige Ladeinfrastruktur besser an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürgern orientieren kann und gleichzeitig für eine größere Nutzungsausgewogenheit zwischen den verschiedenen Verkehrsarten (Pkw, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr) sorgt.

Grundlage für die Entwicklungsarbeiten bilden Daten und die aktive Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger: So wurden im Rahmen einer Umfrage zunächst die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Essen zu ihrem allgemeinen Mobilitätsverhalten befragt. Eine Woche lang zeichneten Bürgerinnen und Bürger in einem „Mobilitätstagebuch“ auf, welche Fortbewegungsmittel sie nutzten. Gleichzeitig befragte das Forschungsteam in einer Interviewreihe führende Unternehmen und Gewerbe aus Essen. Denn: Für eine bedarfsgerechte Planung ist nicht nur die Meinung von Privatpersonen wichtig, sondern auch, wie lokale Unternehmen über das Thema Elektromobilität und Ladeinfrastruktur denken.

„Mit STRALI wollen wir für Kommunen ein Werkzeug entwickeln, das die Planung von Ladeinfrastruktur beschleunigt und ihnen eine strategische Verkehrsflussplanung ermöglicht. Kern des Projekts bildet eine webbasierte Anwendung, die – gestützt auf einer eigens dafür geschaffenen Datenbasis – eine Bürger-bedarfsgerechte Planung ermöglicht.“

Prof. Dr. Ellen Enkel, mFUND-Projekt „STRALI“

Universität Duisburg-Essen

Gemeinsam mit vorhandenen Verkehrs- und Infrastrukturdaten nutzt das Projekt die Erkenntnisse aus den Befragungen für eine ganzheitliche Verkehrssimulation. Auf Grundlage dieses Modells entwickelt das Konsortium dann eine Web-Anwendung; kommunale Verkehrsplaner können mit diesem Werkzeug die Verkehrswege entlang der Bedürfnisse von Bürger und Wirtschaft gestalten. Zwar sind die bisherigen Arbeiten auf die Stadt Essen ausgelegt. Künftig kann das Planungswerkzeug jedoch auf andere Kommunen übertragen und in bestehende Verkehrsmodelle integriert werden.

Vehicle-to-Grid-Technologien in der Elektromobilität 

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und das Wachstum der Elektromobilität geht mit großen Herausforderungen für das Stromnetz einher. Eine davon sind hohe Lastspitzen zu unregelmäßigen Zeiten, die das Stromnetz destabilisieren können. Ein Instrument, um der Herausforderung wirksam zu begegnen, sind Elektrofahrzeuge mit sogenannten Vehicle-to-Grid-Technologien (V2G). Der V2G-Ansatz macht sich zu Nutze, dass die meisten Autos den Großteil des Tages auf Parkplätzen stehen. Die Idee: Während solcher Standzeiten können Elektrofahrzeuge gezielt als Energiespeicher genutzt werden. Denn: E-Autos, die mit einer V2G-Technologie ausgestattet sind, sind technisch in der Lage, Energie in Stromnetze einzuspeisen – und diese bei Lastspitzen somit zu stabilisieren.

Ein Vorhaben, das untersucht, wie sich V2G-Technologien optimal in die bestehende Ladeinfrastrukturen integrieren lassen, ist das mFUND-Projekt „EM4GRID“. Auf Basis von Daten zum Mobilitätsverhalten entwickelt das Team ein Energie-Mobilitätsmodell, mit dem sich Wirtschaftlichkeit und Netzdienlichkeit von V2G-Technologien bewerten lassen. Dies ermöglicht realitätsnahe Aussagen über die Potenziale von V2G-Technologien.
 

EM4GRID

Machbarkeitsstudie zur Entwicklung eines Energie-Mobilitätsmodells

Das Team des mFUND-Projekts EM4GRID untersucht, wie V2G-Technologien künftig in die bestehende Ladeinfrastruktur integirert werden können. Hierzu soll die Mobilität verschiedener Anwendergruppen erfasst und mit verfügbaren Lade-, Energienetz- und Umweltdaten kombiniert werden.

Lösungen ganzheitlich denken

Die beiden mFUND-Projekte zeigen: Es braucht Ideen und Lösungen, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur und damit der Elektromobilität in Deutschland zu beschleunigen. Ein starker Fokus die Anwenderinnen und Anwender ist dabei ebenso wichtig wie die Berücksichtigung gegebener Herausforderungen, die mit der zunehmenden Elektromobilität in den bestehenden Infrastrukturen entstehen. Ein ganzheitlicher Ansatz ist also wichtiger denn je. Und genau hier setzen viele der im mFUND geförderten Projekte des BMV an.

Mehr Informationen zum Thema Ladeinfrastruktur

Weitere Themen im mFUND

1 / 3